Neues Medikament gleich zweifach für den Makulaschutz zugelassen

Sowohl zur Therapie der neovaskulären altersabhängigen Makula­degeneration (nAMD) als auch zur Behandlung von Seh­beein­trächti­gungen durch das diabetische Makulaödem (DMÖ) wurde jetzt der bispezifische Antikörper Faricimab in Europa zugelassen. Er wird im Rahmen einer sogenannten IVOM-Therapie direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht.

Seine Zulassung stützt sich auf vier Studien mit insgsamt 3200 Teilnehmenden, in denen die Wirksamkeit des Antikörpers mit dem bereits verfügbaren Aflibercept verglichen wurde. In allen vier Studien konnte nachgewiesen werden, dass der neue Antikörper nach einem Jahr gegenüber Aflibercept hinsichtlich der bestkorrigierten Sehschärfe nicht unterlegen war. Die Verträglichkeit und das Nebenwirkungsprofil waren während der Studiendauer bei beiden Erkrankungen vergleichbar. Darüber hinaus legen die Studienergebnisse nahe, dass der Antikörper ab dem 2. Behandlungsjahr – in Abhängigkeit von der Krankheitsaktivität des jeweiligen Patienten – in kürzeren Intervallen verabreicht werden könnte. Das wäre eine große Entlastung für Patienten und deren Angehörige.

„Ein großer Vorteil des Antikörpers besteht in den längeren Behandlungsintervallen.“

PD Dr. Hakan Kaymak
Die Entdeckung des Wachstumsfaktors Angiopoietin-2 im Jahr 1997 sei ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von Faricimab gewesen, erläuterte PD Dr. Hakan Kaymak.

Beim Pressegespräch zum Launch des neuen Medikamentes, über das das Deutsche Ärzteblatt berichtete, hob PD Dr. Hakan Kaymak hervor, dass ein großer Vorteil in den längeren Behandlungs­intervallen bestehe. Laut einer Befragung unter Patienten und Angehörigen ist die Reduktion der Anzahl von Injektionen die am meisten gewünschte Verbesserung der aktuellen intravitrealen operativen Medikamenteneingabe (IVOM).

Wie wirkt Faricimab?

Patienten mit nAMD und DMÖ bilden verstärkt Wachstumsfaktoren wie Ang-2 oder auch VEGF-A
(Vascular Endothelial Growth Factor A). Dadurch werden Gefäße instabil und undicht, zudem kommt zu Entzündungen in der Netzhaut. Der bispezifische Antikörper Faricimab richtet sich gegen beide Wachstumsfaktoren und verhindert so die Entstehung krankhafter Gefäße, reduziert Ödeme und hemmt Entzündungen.

Studienergebnisse von TENAYA and LUCERNE mit nicht vorbehandelten nAMD-Patienten

  • Nach der Aufdosierungsphase für Faricimab wurden individuelle Intervalle festgelegt.
  • Die Auswertung der Daten beider Studien ergab, dass in Woche 112 bei rund 78 % der Patienten unter Faricimab das Behandlungsintervall entweder bei 12 oder 16 Wochen.
  • Demgegenüber blieb das Behandlungsintervall in der Aflibercept-Gruppe nach der Uploadphase über 2 Jahre konstant bei 8 Wochen.

Studienergebnisse von YOSEMITE und RHINE mit DMÖ-Patienten

  • In den Studien führte die Faricimab-Therapie zu stabilen Visusverbesserungen sowie zu einer schnellen Reduktion der zentralen Netzhautdicke, die bis zur Woche 96 erhalten blieben.
  • Die Auswertung beider Studien zeigte, dass rund 78% der Patienten in Woche 96 ein entweder 12- oder 16-wöchiges Behandlungsintervall erreicht hatten.

Literaturangaben

Doppelt indiziert für den Makulaschutz — PDF, 219.38 kB >

Deutsches Ärzteblatt | Jg. 119 | Heft 45 | 11. November 2022 (A1970)

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