Das sanfte Crosslinking mittels Iontophorese (I-CXL)

Das UV-Riboflavin-Crosslinking ist eine etablierte Behandlung des Keratokonus, um das Hornhautgewebe zu stabilisieren. Mittels Iontophorese ist das Crosslinking deutlich sanfter und nahezu schmerzfrei, weil dabei das Hornhautepithel nicht entfernt werden muss. Die Prozedur, kurz iCXL, dauert insgesamt nur wenige Minuten. Erste Erfahrungen damit sind ermutigend und zeigen, dass die Effektivität mit der des Standard-Crosslinkings nahezu vergleichbar ist.

Spezialist für dieses Thema

Portraitfoto von Dr. Detlev Breyer

Dr. Detlev Breyer

Augenarzt, Augenchirurg und leitender Operateur

Dr. Detlev Breyer gehörte schon vor über 10 Jahren zu den Ersten, die das UV-Riboflavin Crosslinking zur Behandlung des Keratokonus mit Erfolg eingesetzt haben und dafür plädierten, es so früh wie möglich anzuwenden, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden. Mit der Iontophorese können wir Ihnen das bewährte Verfahren in sehr viel schonenderer Form anbieten.

Wie funktioniert das Crosslinking mittels Iontophorese (iCXL)?

Der Begriff „Iontophorese“ setzt sich zusammen aus dem Wort ‚Ion' sowie dem altgriechischen Wort φερειν pherein ‚tragen' und bezeichnet eine Methode, mit der Medikamente mithilfe von leicht elektrisch geladenen Ionen durch die Haut hindurch transportiert werden. In diesem Fall wird der Wirkstoff Riboflavin (Vitamin B2) durch das Hornhautepithel in das tiefer liegende Hornhautstroma transportiert, damit er dort wirken kann. Da das Hornhautepithel ein Eindringen jedoch verhindert, musste es vor dem Crosslinking bisher abgeschabt werden. Die Iontophorese macht diesen für den Patienten schmerzhaften Schritt überflüssig. Das Iontophorese-Crosslinking gehört somit zu den Verfahren, die auch als Transepitheliales Crosslinking (TE-CXL) bezeichnet werden.

Nachdem das Riboflavin durch die Iontophorese verabreicht wurde, wird das Auge wie beim Standard-Crosslinking ca. 10 Minuten mit UV-Licht bestrahlt, um das Riboflavin zu aktivieren: Es bildet Gewebebrücken innerhalb des Stromas, die das Gewebe stabilisieren. Die ersten Ergebnisse des iCXL sind sehr vielversprechend, wie die Einjahreserfahrungen einer prospektiven Studie belegen.

Welche Vorteile hat das I-CXL gegenüber dem Standard-Crosslinking?

Aus den Einjahresergebnissen einer prospektive klinische Studie um Vinciguerra P. , die im Oktober 2016 im Journal of Refractive Surgery veröffentlicht wurden, gehen folgende Vorteile hervor:

Sanfter: Da das schmerzhafte Entfernen des Epithels wie beim herkömmlichen UV-Riboflavin-Crosslinking entfällt, ist das Iontophorese-Crosslinking wesentlich angenehmer für den Patienten.

Kürzere Erholungsphase: Erste Ergebnisse zeigen, dass früher als nach dem Standard-Crosslinking eine gute Sehschärfe erreicht wird.

Weniger Aberrationen: Das I-CXL verursacht offenbar weniger sogenannte Aberrationen höherer Ordnung, die die Sehschärfe beeinträchtigen können.

Iontophorese Crosslinking Schritt-für-Schritt

  • Im ersten Schritt verabreichen wir Ihnen eine betäubende Augensalbe, damit Sie nichts spüren.
  • Dann säubern wir den Bereich um das Auge herum.
  • Nun wird ein Lidöffner eingesetzt.
  • Auf das geöffnete Auge setzen wir ca. 5 Minuten einen Ring, in den das Medikament Riboflavin gegeben wird. Mittels Iontophorese, also einem sehr schwachen Gleichstrom, wird der Wirkstoff in das Hornhautstroma transportiert.
  • Nachdem der Ring entfernt wurde, bestrahlen wir das Auge mit sehr schwachem UV-Licht für ca. 10 Minuten.
  • Hinterher spülen wir Ihr Auge sorgfältig und geben Ihnen Augentropfen.
  • Unmittelbar nach der Behandlung kontrollieren wir Ihr Auge noch einmal.

Weitere Informationen für Fachärzte

Das Transepitheliale Crosslinking (TE-CXL) mittels Iontophorese ist ein Nicht-invasives Verfahren, das das Crosslinking für den Patienten nahezu schmerzfrei und erheblich angenehmer macht als das herkömmliches UV-Riboflavin Crosslinking. In diesem Video sehen Sie, wie das Verfahren funktioniert.

  • Teaserfoto Hornhaut / Keratokonus

    Was ist Keratokonus?

    Keratokonus ist eine fortschreitende kegelförmige Vorwölbung und Auswölbung der Hornhaut, deren Ursachen nicht ganz geklärt sind. Schwankungen und Abnahme der Sehschärfe, das Wahrnehmen von Lichtringen um Lichtquellen und Blendempfindlichkeit sind die Folge. Ein Keratokonus wird oft mit einer Hornhautverkrümmung verwechselt. Eine stabilisierende Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen.

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  • Teaserfoto MyoRing

    Der Myoring

    Der MyoRing ist ein geschlossener Ring, der 0,3 mm unter der Oberfläche in die Hornhaut eingelegt wird. Dort übernimmt er zwei Funktionen: Er flacht die durch den Keratokonus vorgewölbte Hornhaut ab und stabilisiert das Gewebe, indem er den Druck, der von innen auf der Hornhaut lastet, gleichmäßig verteilt.

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  • Teaserfoto UV-Riboflavin-Crosslinking

    UV-Crosslinking

    Das UV-Riboflavin-Crosslinking stabilisiert die Hornhaut, indem es die Zahl chemischer Quervernetzungen innerhalb des Hornhautstromas erhöht. Das Hornhautepithel muss abgetragen werden, damit die Riboflavin-Augentropfen auf das Stroma gelangen. Anschließend wird das Auge mit UV-Licht bestrahlt.

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Weiterführende Fachliteratur

Randomized Controlled Trial Comparing Transepithelial Corneal Cross-linking Using Iontophoresis with the Dresden Protocol in Progressive Keratoconus.

Lombardo M, Giannini D, Lombardo G, Serrao S, in: Ophthalmology. 2017 Jun;124(6):804-812. doi: 10.1016/j.ophtha.2017.01.040. Epub 2017 Mar 7. PMID: 28283279

Transepithelial Iontophoresis Versus Standard Corneal Collagen Cross-linking: 1-Year Results of a Prospective Clinical Study.

Vinciguerra P, Romano V, Rosetta P, Legrottaglie EF, Piscopo R, Fabiani C,
Azzolini C, Vinciguerra R. J Refract Surg. 2016 Oct 1;32(10):672-678. doi: 10.3928/1081597X-20160629-02. PubMed PMID: 27722754.