Kontaktlinsen: Probleme, Unverträglichkeiten und Risiken

Kontaktlinsen sind komfortabler als eine Brille, können aber Probleme verursachen, die im schlimmsten Fall die Sehkraft bedrohen. Weil sie direkten Kontakt zum Auge haben, ist mangelnde Hygiene ein großes Risiko. Daneben spielen Unverträglichkeiten, der falsche Umgang mit Kontaktlinsen oder schlicht minderwertige Linsen eine Rolle. Es ist tatsächlich erwiesen, dass Augenlasern sicherer ist als das langjährige Tragen von Kontaktlinsen. Wir beraten Sie gern – auch über Alternativen.

„Viele Menschen leiden erst nach jahrelangem Tragen von Kontaktlinsen unter trockenen Augen und vertragen ihre Linsen schließlich überhaupt nicht mehr.“

Dr. Detlev Breyer
Mann schläft auf einem Sofa mit einem Buch auf seinem Gesicht.

Einschlafen mit Kontaktlinsen ist riskant. © The Creative Exchange

Welche Nebenwirkungen von Kontaktlinsen sind möglich?

2017 publizierten Forscher der Universität Theheran im Journal of Ophthalmic & Vision Research eine Literaturübersicht und -analyse aller wissenschaftlichen Fachartikel der letzten 20 Jahre, die sich mit Kontaktlinsenproblemen und -risiken befassten. [1] Darin beschrieben sie die häufigsten Kontaktlinsenprobleme, Nebenwirkungen und Risiken sowie den richtigen Umgang mit diesen.

'Kontaktlinsenunverträglichkeit' – was bedeutet das?

Die Gesellschaft für den Tränenfilm und die Augenoberfläche (Tear Film & Ocular Surface Society, TFOS) definiert Kontaktlinsenunverträglichkeit als eine Episode oder dauerhafte Periode, in der es zu einem unangenehmen bis schmerzhaften Empfinden auf der Augenoberfläche kommt, das durch das Tragen von Kontaktlinsen hervorgerufen wird. Diese mangelnde Verträglichkeit zwischen der Kontaktlinse und der Augenoberfläche ist durchaus normal zu Beginn der Tragezeit, sie sollte aber nach einigen Wochen verschwinden.

Ursachen für eine Kontaktlinsenunverträglichkeit

In allen Studien entwickelten zwischen 23 und 94 Prozent der Studienpatienten nach längerer Tragedauer eine Unverträglichkeit gegenüber Kontaktlinsen. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein und drei Bereiche betreffen:

  1. Die Linse, z.B. Design, Material, Anpassung der Linse an das Auge sowie die Hygiene oder die Inhaltsstoffe der Reinigungsflüssigkeit.

  2. Beim Patienten selbst können die Ursachen für die Unverträglichkeit liegen wie z.B.

    • die Beschaffenheit des Tränenfilms
    • ggf. allergische Reaktionen
    • die Sehgewohnheiten (häufiges oder seltenes Blinzeln)
    • die Tragegewohnheiten der Linse
    • die Einnahmen von Medikamanten
    • sowie Alter, Geschlecht, erbliche Veranlagung etc.
  3. Daneben sind externe Faktoren zu beachten, z. B. Klimanlagen, Raumfeuchtigkeit, Wind, Staub o.ä.

Jede Art von Unverträglichkeit schränkt nicht nur den Tragekomfort von Kontaktlinsen ein, sondern kann auch zu schmerzhaften und wiederholten Entzündungen der Hornhaut führen oder das Tragen von Kontaktlinsen zeitweilig und sogar dauerhaft als Korrekturmöglichkeit ausschließen. Die regelmäßige Kontrolle durch einen Augenarzt ist daher sehr wichtig, wenn Sie häufig Kontaktlinsen tragen. Bei stark geröteten Augen oder Schmerzen sollten Sie unbedingt sofort einen Augenarzt aufsuchen – an Wochenenden oder Feiertagen darf es auch die Notaufnahme sein, denn schließlich geht es um Ihr Augenlicht.

Bildung neuer Blutgefäße

Rund 10 bis 30 Prozent der Menschen, bei denen sich neue Blutgefäße um die Hornhaut bilden, tragen Kontaktlinsen. Vor allem bei Menschen, die eine starke Kurzsichtigkeit oder einen hohen Astigmatismus haben, entstehen nach langjährigem Tragen von Kontaktlinsen häufig feine, neue Blutgefäße um die Iris herum bzw. an den Rändern der Kontaktlinse. Damit versucht das Auge, die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Hornhaut zu verbessern, die durch das Tragen der Kontaktlinsen etwas eingeschränkt sein kann, z.B. weil die Kontaktlinse aufgrund ihrer Optik an den Rändern etwas dicker ist als in der Mitte. Ein Grund dafür können aber auch schlecht angepasste Kontaktlinsen sein. Auf jeden Fall ist es ratsam, in einem solchen Fall einen Augenarzt zu konsultieren.

Bogenförmige Verletzungen durch weiche Kontaktlinsen

Bogenförmige Verletzungen , sogenannte 'Superior epithelial arcuate lesions' (SEALs) wurden erstmals 1970 beschrieben als eine Nebenwirkung weicher Kontaktlinsen der ersten Generationen. Diese Verletzungen des vorderen Hornhauteptithels sind mit der Spaltlampe sichtbar und werden durch die Bewegung des Augenlides über den Augapfel hervorgerufen. Weiche Kontaktlinsen neuerer Generationen verursachen deutlich seltener derartige Verletzungen. Bemerkbar machen sie sich meist durch ein Fremdkörpergefühl. In einem solchen Fall sollte sofort eine Kontaktlinsenpause eingelegt werden, bis die Verletzungen vernarbt sind. Empfohlen wird auch, andere Kontaktlinsen zu verwenden, z.B. Tageslinsen.

Gigantopapilläre Bindehautentzündung

Viele Kontaktlinsenträger (zwischen 1,5 und 47,5 Prozent der Studienpatienten) litten unter einer besonderen Form der Bindehautentzündung (Gigantopapilläre Konjunktivitis, GPC). Dabei führen Eiweißablagerungen aus dem Tränenfilm in Verbindung mit Ablagerungen auf den Kontaktlinsen zu einer mechanischen Reizung bei jedem Lidschlag. Oft ist nicht nur das Auge gerötet, auch die Innenfläche des Augenlides ist entzündet.

Rund 50 Prozent der Kontaktlinsenträger leiden unter trockenen Augen

Langjähriges Tragen von Kontaktlinsen bewirkt bei 50 Prozent der Patienten eine Störung des Tränenfilms mit den bekannten Symptomen eines Trockenen Auges. Diese sollten unbedingt sofort behandelt werden, bevor die Kontaktlinsen weiter getragen werden. Als Alternative raten wir eher zu einer Augenlaserbehandlung mit dem ReLEx-SMILE-Verfahren, sofern Sie aufgrund Ihrer Fehlsichtigkeit geeignet und Ihre Augen gesund sind. Wir beraten Sie gerne.

Das größte Risiko ist das Einschlafen mit Kontaktlinsen

Wussten Sie, dass das Einschlafen mit Kontaktlinsen sehr riskant sein kann? Gemäß einer aktuellen Fallstudie der US-Mediziner Jon Femling und Justin Baca erhöht schon ein Power-Nap das Risiko einer Hornhautentzündung und kann sogar zu bleibenden Schäden führen, warnen die Forscher. [2] Sie haben sechs Fälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen untersucht, die primär durch das Schlafen mit Kontaktlinsen verursacht wurden. Daneben wurden oft weitere Regeln für das Kontaktlinsentragen nicht beachtet. Einer der Patienten ging regelmäßig mit seinen Kontaktlinsen schwimmen, ohne sie anschließend zu reinigen oder auszutauschen. Andere hielten sich nicht an die vorgegebene Tragedauer ihrer Linsen. Die Folgen reichten von schweren Hornhautentzündungen durch Bakterien oder Viren, über Hornhautabrieb, -verletztungen bis hin zu Geschwüren, die im schlimmsten Fall eine Hornhauttransplantation erforderlich machten, um das Sehvermögen zu erhalten. Die Autoren verwiesen zudem auf eine britische Studie aus dem Jahr 2008, in der festgestellt wurde, dass das Einschlafen mit Kontaktlinsen das Risiko einer Infektion um das Sechs- bis Achtfache erhöht.

Die Deutsche Welle hat in ihrem Twitter Account dazu ein sehr eindrucksvolles Video gepostet. Aber vorsicht: Es ist nichts für sensible Gemüter. Also: Wer sich ab und zu spontan ein Nickerchen gönnen möchte, sollte eine Augenlaserbehandlung ins Auge fassen. Die ist nämlich sicherer als das jahrelange Tragen von Kontaktlinsen.

Hornhautinfektionen treten häufiger nach langjährigem Tragen von Kontaktlinsen auf als nach einer LASIK

Nach 5-jährigem Tragen weicher Kontaktlinsen ist das Risiko für eine Hornhautentzündung, die durch Mikroben hervorgerufen wird, größer als nach einer LASIK. Das ist das Ergebnis einer Metastudie, die 2017 im Journal of Refractive Surgery publiziert wurde. Sie verglich mehrere Studien mit mindestens 1000 Teilnehmern, die entweder Kontaktlinsen trugen oder sich einer LASIK-Behandlung unterzogen hatten und bei denen die Häufigkeit von mikrobiellen Hornhautentzündungen untersucht wurde. [3]

Laut WHO geht jede vierte Erblindung auf eine Hornhauttrübung zurück, die meistens durch Keime wie Bakterien, Viren, Hefen, Pilze oder Akanthamöben verursacht werden. Vor allem die Infektion mit Akanthamöben stellt eine große Herausforderung dar, weil sie zunächst unspezifische Symptome zeigt und mit einer Herpes Simplex Infektion verwechselt werden kann. Erst nach ca. fünf Wochen, wenn bereits Nervenschäden entstanden sind, leiden Patienten unter sehr starken Schmerzen. Eine Therapie muss daher so schnell wie möglich und gezielt erfolgen.

Akanthamöben kommen praktisch überall vor, beispielsweise an der Innenwand von Was­ser­ver­sor­gungs­sys­temen und im häuslichen Umfeld. In geringen Mengen sind sie nicht gefährlich. In Verbindung mit Kontaktlinsen und wenn z.B. die Hornhaut des Auges bereits leichte Verletzungen aufweist, können sie jedoch die Sehkraft bedrohen, weil sie sich buchstäblich in die Hornhaut 'hineinfressen'. Die Fraunhofer Gesellschaft führt 88 Prozent der Infektionen auf weiche Kontaktlinsen als Überträger zurück, hauptsächlich durch infizierte Kontaktlinsenbehälter oder unzureichend gereinigte Kontaktlinsen.

Vorsicht bei farbigen Kontaktlinsen

Achten Sie auch bei farbigen Kontaktlinsen auf hohe Qualität.

Farbige Kontaktlinsen sind mit höchster Vorsicht zu genießen. Wenn Sie nicht darauf verzichten möchten, versuchen Sie möglichst, Markenartikel zu erhalten. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, ob Sie die Linsen ohne Bedenken tragen dürfen. Von sehr günstigen Kontaktlinsen aus dem Discounter oder einem Internetshop raten wir grundsätzlich ab. Sie könnten zu Verletzung der Augenoberfläche führen.

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Literaturangaben

[1]

Contact Lens-related Complications: A Review.

Alipour F, Khaheshi S, Soleimanzadeh M, Heidarzadeh S, Heydarzadeh S. J Ophthalmic Vis Res. 2017
Apr-Jun;12(2):193-204. doi: 10.4103/jovr.jovr_159_16.. PubMed PMID: 28540012; PubMed Central PMCID: PMC5423374.

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[2]

Corneal Infections Associated with Sleeping in Contact Lenses — Six Cases, United States, 2016–2018.

Jennifer R. Cope, Nuadum Muriel Konne, Deborah S. Jacobs, Deepinder K. Dhaliwal, Michelle K. Rhee, Jia Yin, Thomas L. Steinemann. Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR), August 17, 2018 / 67(32);877–881

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