Gering dosierte Atropin-Augentropfen können Kurzsichtigkeit bei Kindern eindämmen und helfen Erwachsenen mit störenden Glaskörpertrübungen

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Immer mehr Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren werden kurzsichtig. Damit steigt ihr Risiko, früher als andere unter degenerativen Augenerkrankungen zu leiden. Gering dosierte Atropin-Augentropfen können das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern verlangsamen. In Kooperation mit dem Myopieforscher Prof. Schaeffel bietet Dr. Kaymak kurzsichtigen Kindern diese neue Atropin-Augentropfentherapie an. – Auch bei störenden Glaskörpertrübungen kann Atropin helfen.

Portraitfoto von Dr. Hakan Kaymak

Spezialist für dieses Thema

Dr. Hakan Kaymak — Augenarzt, Augenchirurg und leitender Operateur

Die geringste Atropin-Dosis erzielt die beste Wirkung gegen Kurzsichtigkeit

Bei kurzsichtigen Kindern schreitet die Kurzsichtigkeit (Myopie) langsamer voran, wenn sie regelmäßig gering dosierte Atropin-Augentropfen erhalten. Das haben Ophthalmologen am Singapore National Eye Center in einer Studie herausgefunden, die im American Journal of Ophthalmology publiziert wurde.[1] Sie behandelten 400 kurzsichtige Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren zwei Jahre lang mit Augentropfen in unterschiedlichen Atropin-Konzentrationen oder einem Placebo. Nach 5 Jahren stellten sie fest, dass die geringste Dosis der Atropin-Augentropfen (0,01 Prozent) das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit um 80 Prozent verzögert. Atropin wird in einer höheren Konzentration seit vielen Jahren z.B. zur Erweiterung der Pupille vor augenärztlichen Untersuchungen eingesetzt. Dr. Kaymak setzt es auf Wunsch bei unseren jungen kurzsichtigen Patienten ein, um eine weitere Sehverschlechterung bei ihnen einzudämmen.


„Meine Frau Christiane und ich sind beide von der Therapie so überzeugt, dass wir sie auch bei unserer Tochter anwenden.“

Dr. Hakan Kaymak

Für Dr. Kaymak ist diese Wirkung von Atropin nicht neu: Im Jahr 1999 schrieb er bei Prof. Frank Schaeffel seine Dissertation über den Effekt von Atropin auf die Kurzsichtigkeit bei Hühnern.[2] Die Forscher aus Singapur haben nun diese Wirkung bei Kindern bestätigt.

Junge auf Schaukel

„Neben der Atropin-Therapie setzen wir auf die positive Wirkung von Tageslicht. Kurzsichtige Kinder sollten deshalb so viel wie möglich im Freien sein.“

Dr. Hakan Kaymak

„Die Dosierung, die den besten Effekt erzielte, ist dabei so niedrig, dass wir sie gefahrlos unseren jungen Patienten anbieten können”, so Dr. Kaymak. Er kooperiert immer noch eng mit Prof. Dr. Frank Schaeffel, der inzwischen Leiter der Sektion für Neurobiologie des Auges im Institute of the Eye am Universitätsklinikum Tübingen ist und ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Kurzsichtigkeitsforschung. Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse wurde ihm 2012 der Europäische Sehforschungspreis verliehen.

Beide sind zuversichtlich, dass der Erfolg der Studie aus Singapur sich auch hier wiederholen lässt. Bisher konnten Augenärzte ihren kleinen Patienten nur empfehlen, sich viel im Freien aufzuhalten und häufiger in die Ferne zu blicken. Das ist angesichts von Ganztagsschulen und der Attraktivität von Büchern oder digitalen Geräten jedoch nicht immer in ausreichendem Maße möglich, weiß Dr. Kaymak als Vater einer Tochter im Grundschulalter.

Dr. Kaymak und Prof. Schaeffel diskutieren beim Innovationssymposium 2016
Dr. Kaymak und Prof. Dr. Frank Schaeffel beim Innovationssymposium 2016

Was Sie zur Atropin-Therapie gegen Kurzsichtigkeit wissen sollten

Atropin wurde früher aus der Tollkirsche gewonnen. In der Augenheilkunde setzt man es in einer Konzentration von einem Prozent ein, um den Augenmuskel vor einer Augenuntersuchung vorübergehend zu lähmen und die Pupille weitzustellen. Gegen Kurzsichtigkeit hat sich eine Konzentration von 0,01 Prozent als sehr effektiv herausgestellt. Diese Dosis beeinflusst die Akkomodation kaum, weil die Pupille nur um einen Millimeter weiter gestellt wird. Alle anderen bekannten Nebenwirkungen von Atropin wurden nicht festgestellt.

Atropin-Augentropfen – eine neue Option gegen störende Glaskörpertrübungen bei Erwachsenen

Bei der Behandlung der Kinder mit Atropin-Augentropfen haben Dr. Kaymak und sein wissenschaftliches Team festgestellt, dass die bekannte Wirkung von Atropin auf die Pupille nur sehr schwach ausfällt und ihre Akkomodationsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Das hat ihn auf die Idee gebracht, dass die Atropin-Therapie auch gegen störende Glaskörpertrübungen helfen könnte. Denn in der Regel stören Glaskörpertrübungen am meisten, wenn man ins Helle schaut. Dann ist die Pupille sehr eng, damit nicht zu viel Licht auf die Netzhaut gelangt. Da die gering dosierten Atropin-Augentropfen die Pupille um ca. einen Millimeter weit stellen, werden störende Glaskörper nicht mehr so stark wahrgenommen wie mit enger Pupille. Bei einigen Patienten, die unter Glaskörpertrübungen leiden, die z.B. zu nah an Netzhaut oder Linse sind, hat sich diese Therapie tatsächlich als eine sehr schonende und wirkungsvolle Option herausgestellt.

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Fachvortrag von Dr. Hakan Kaymak zur Therapie mit Atropin-Augentropfen

Portraitfoto von Dr. Hakan Kaymak

0,01-prozentige Atropin-Augentropfen zur Hemmung der Myopieentwicklung bei Kindern und Jugendlichen

Vortrag von Dr. Hakan Kaymak im Rahmen der DOC Nürnberg 2017 zum Thema: 0,01-prozentige Atropin-Augentropfen zur Hemmung der Myopieentwicklung bei Kindern und Jugendlichen – Erste Erfahrungen, Mypopieentwicklung bis zu einem Jahr.

Nach dem in dem Vortrag präsentierten Therapieschema behandelt er auch seine Tochter. Der Vortrag wurde auf der DOC mit einem Wissenschafts-Oskar prämiert.

Innovationssymposium Augenchirurgie 2016: Prof. Dr. Frank Schaeffel - Myopieentwicklung

Kurzsichtigkeit bei Schülern: Das sollten Eltern wissen

Die Einschulung markiert einen neuen Abschnitt im Leben eines Kindes. In dieser neuen Phase entwickelt sich aber auch die häufigste Form von Kurzsichtigkeit, die Schulmyopie. Sie setzt ab dem achten Lebensjahr ein und betrifft weltweit immer mehr Schüler. Was uns Augenärzten dabei Sorgen bereitet, sind die das Augenlicht bedrohenden Spätfolgen von Kurzsichtigkeit, z. B. Netzhauterkrankungen, grüner oder grauer Star.

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Literaturangaben

[1]

Five-Year Clinical Trial on Atropine for the Treatment of Myopia 2: Myopia Control with Atropine 0.01% Eyedrops.

Chia A, Lu QS, Tan D., Ophthalmology. 2016 Feb;123(2):391-9. doi: 10.1016/j.ophtha.2015.07.004. Epub 2015 Aug Abstract

 ↩
[2]

Wirkung von Dopaminagonisten und Atropin auf den retinalen Dopaminstoffwechsel und die experimentell induzierte Kurzsichtigkeit beim Haushuhn.

Kaymak H, Dissertation, Tübingen 1999

 ↩

Weiterführende Fachliteratur

Use of Atropine for Prevention of Childhood Myopia Progression in Clinical Practice.

Shih KC1, Chan TC, Ng AL, Lai JS, Li WW, Cheng AC, Fan DS., Eye Contact Lens. 2016 Jan;42(1):16-23. doi: 10.1097/ICL.0000000000000189. Abstract

An Important Step Forward in Myopia Prevention: Low-Dose Atropine.

Morgan IG, He M. Ophthalmology. 2016 Feb;123(2):232-3. doi: 10.1016/j.ophtha.2015.10.012. No abstract available. Abstract

Atropine for the treatment of childhood myopia: changes after stopping atropine 0.01%, 0.1% and 0.5%.

Chia A, Chua WH, Wen L, Fong A, Goon YY, Tan D., Am J Ophthalmol. 2014 Feb;157(2):451-457.e1. doi: 10.1016/j.ajo.2013.09.020. Epub 2013 Dec 4. PubMed PMID: 24315293.

Effects of atropine on refractive development, dopamine release, and slow retinal potentials in the chick.

Schwahn HN, Kaymak H, Schaeffel F.Vis Neurosci. 2000 Mar-Apr;17(2):165-76.PMID: 10824671